Konradsblatt Nr. 16 - 18.04.2004

Bewusst schlicht gehalten

Neuer Altarraum für die Wallfahrtskirche St. Genesius in Öhningen-Schienen


Altarraum
Blick auf den neu gestalteten Altarrum der Wallfahrtskirche St. Genesius: Ambo, Altar, Priestersitz
und Osterleuchter passen sich dem schlichten Stil der romanischen Architektur an.

Jahrzehnte war die Wallfahrtskirche St. Genesius in Öhningen-Schienen auf der Bodenseehalbinsel Höri nur provisorisch für die Liturgie ausgestattet. Im Bau aus dem 9./10. Jahrhundert gab es nicht einmal ein Lesepult. Jetzt hat die Kirche einen neue ausgestatteten Altarraum, der die archaische Schlichtheit der romanischen Architektur betont.

Die liturgische Ausstattung mit einem zusammen geschweißten Metall-Altar habe weder dem ehrwürdigen Rang, noch der Architektur der Kirche entsprochen, erinnert sich Pfarrer Stefan Hutterer. Die frühere Kloster- und heutige Wallfahrtskirche St. Genesius gehört zu den ältesten erhaltenen Sakralbauten in der Bodenseeregion. Sie fällt durch ihre zweigeteilte Uhr am Dachreiter auf (das obere Ziffernblatt zeigt die Minuten, das untere die Stunden an). Ihr kunsthistorisch wertvollstes Stück ist das 1430 entstandene Gnadenbild "Maria mit dem Kind", das im Zentrum der Translations-Legende steht: Als die Skulptur zur Reformationszeit in eine andere Kapelle geschafft wurde, und St. Genesius langsam verfiel, soll das Gnadenbild zweimal selbständig an seinen alten Platz zurück gekehrt sein. Auch 1981, als das Kunstwerk gestohlen wurde, kehrte es wieder in die Kirche zurück. Damals allerdings mit Hilfe der Polizei.

Barock umgestaltet und späger wieder vom Barock befreit

Die romanische Kirche ist dem heiligen Genesius gewidmet, einem römischen Schauspieler, der bei seinen Auftritten das Christentum verspotten sollte, sich dann aber zum christlichen Glauben bekehrte. Das Volk steinigte ihn dafür. Ein Graf, der einen Schrein mit Genesius-Reliquien auf die Höri brachte (heute gehört er zum Kirchenschatz des Reichenauer Münsters), veranlasste in Schienen die Gründung eines Klosters, das Abt Abo von der Reichenau Mitte des 9. Jahrhunderts bauen ließ. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde die heutige Marien-Wallfahrtskirche auf Barock umgestaltet. Aus dieser Zeit stammen die Rundfenster. 1959 wurde die Kirche vom barocken Interieur befreit, die romanischen Steinquader wurden wieder sichtbar gemacht. Die neue liturgische Ausstatung soll die wiedergewonnene archaische Schlichtheit des Raums unterstreichen.

Wallfahrtskirche2
Auffallende Besonderheit von außen: Die zweigeteilte Uhr der Kirche.
Das obere Ziffernblatt zeigt die Minuten, das untere die Stunden an.

Der Altar rückt näher an die Gottesdienstgemeinde

Ambo, Altar und Priestersitz wurden, passend zum dominierenden Naturstein in der Kirche, aus Rorschacher Sandstein, patiniertem (also gebräunten) Stahl und einfachen Quaderformen nach einem Entwurf des inzwischen verstorbenen Reichenauer Künstlers Michael Münzer gefertigt. Er hatte sich bei der Gestaltung des Altars am Schrein mit den Genesius-Reliquien orientiert. Die Ausführung lag bei Karl-Heinz Weiss aus Stuttgart, der das Werk des Verstorbenen vollendete. Für Planung und Bauleitung waren Stefan Bartels, Reinhard Künle und der inzwischen verstorbene Johannes Schäfers vom Erzbischöflichen Bauamt in Konstanz zuständig. Die reinen Baukosten für die Innenrenovation, die auch eine Erneuerung der Heiz- und Lichttechnik, einen neuen Anstrich und eine neue Dämmverglasung umfasste, liegen bei 300 000 Euro. Sie werden von der Kirchengemeinde und vom Erzbischöflichen Ordinariat Freiburg getragen. Von den 400 Mitgliedern der Kirchengemeinde St. Genesius hatten viele ehrenamtlich den Umbau unterstützt. Insgesamt leisteten sie dabei 400 Arbeitsstunden, die umgerechnet 5200 Euro gekostet hätten. "Es war eine tolle Zusammenarbeit", sagt Reinhard Künle vom Erzbischöflichen Baumt.

Mit den Innenrenovation ist der Altar näher an die Kirchenbesucher gerückt. Das Podest für die Prinzipalstücke wurde bis vor den Chor gezogen. Bevor die Altarzunge aus grau-grünem Rorschacher Sandstein gefertigt wurde, hatte das Bauteam die Wirkung mit einem Holzmodell ausgestestet und für gut befunden.

Pfarrer Stefan Hutterer gefällt, wie die moderne Ausstattung aus der romanischen Architektur "wächst". Mit sechs Lichtstrahlern, die in der Holzdecke über dem neu gestalteten Altarraum angebracht wurden, kann es sie jetzt auch ausleuchten.

Text: Claudia Rindt
Fotos: Stefan Hutterer